Wussten Sie schon ...

... wie sechs Punkte das Leben von Millionen von Menschen verändert hat?

Sechs Punkte, 64 Kombinationsmöglichkeiten durchbrechen die Dunkelheit. Mit der Erfindung seiner Punktschrift eröffnete Louis Braille 1825 Generationen von blinden Menschen den Zugang zu geschriebener Sprache. Sein Grundgedanke: den Mangel des Sehsinns durch den Tastsinn zu ersetzen. Angeordnet wie die Sechs auf einem Würfel, macht die Braille-Schrift das Alphabet fühlbar. Buchstaben, Zahlen und Satzzeichen – ja sogar chemische Formeln und ganze Partituren – werden gemäß einem Code in Papier geprägt. Da die Brailleschrift keine eigene Sprache ist, sondern codierte Zeichen, gibt es neben der ursprünglichen Schrift für lateinische Buchstaben auch Versionen für Arabisch, Chinesisch und Kyrillisch.

Doch wie schreibt man Braille-Schrift mit der Hand?


Wie kommen erhabene Punkte auf’s Papier? Die ursprünglichste, und einer Handschrift am nächsten stehend, ist die Methode mittels einer Schreibschablone. Mit einem Metallstichel und an der Matrix orientiert, werden die Buchstaben Punkt für Punkt in das Papier gestochen. Das allein wäre bereits kompliziert genug: Damit die Punkte auf der „Leseseite“ des Papiers in der üblichen Leserichtung, von links nach rechts, erhaben und damit ertastbar erscheinen, erfolgt das Schreiben komplett in Spiegelschrift, also seitenverkehrt. Benötigt spiegelverkehrtes Schreiben ein ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen, ist für das Lesen viel Fingerspitzengefühl gefordert: Die feinen Punkte müssen ertastet werden, um die Textinhalte buchstäblich zu „begreifen“. Erfahrene Braille-Leser erreichen in etwa die durchschnittliche Lesegeschwindigkeit eines Sehenden. In den sechs Punkten steckt für viele blinde Menschen der Schlüssel zum Wissen der Welt.

“There is a wonder in reading Braille that the sighted will never know: to touch words and have them touch you.” – Jim Fiebig