Bei rot Stehen, bei grün Gehen

Ohne Worte – Die Sprache der Farben

Bedeutungen hängen an Farben ebenso wie an Wörtern. Farben haben die Macht, Stimmungen zu vermitteln. Sie sind das effektivste Mittel, Marken und Unternehmen in den Köpfen der Verbraucher zu verankern und damit ein tragfähiges und nachhaltiges Markenimage zu schaffen. Das macht Farben zu einem der bedeutendsten Faktoren für globales Marketing und ausschlaggebend für den unternehmerischen Erfolg.

Ihre kluge Wahl ist demnach von unschätzbarer Bedeutung für Logo und Bildmarke, über Corporate Design bis hin zu Verpackung und dem Produkt selbst. Kulturelle Besonderheiten zu berücksichtigen ist essentiell.

Die Wirkung von Farben ist mitreißend.

Ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Ausdrucksstark und wirkmächtig sind sie aus der Kommunikation nicht weg zu denken. Weltweit senden Ampeln und Stopp-Schilder eindeutige Signale. Für die Botschaften von Farben ist in vielen Fällen der Kontext wesentlich: So kann sich hinter einer schwarz gekleideten Menschenansammlung ebenso gut eine Trauergemeinde, ein College-Abschluss eine Ausstellungseröffnung oder ein Punkrock Konzert verbergen. Seit wann symbolisiert eine rosa Schleife die Geburt eines Mädchens und die blaue die eines Jungen? Warum gibt es keinen blauen Pudding? Wie kam das gelbe M von McDonalds von einem roten zu einem grünen Hintergrund?


1114 Nuancen kennt die unter Grafikern, Designern, Verlagen, Druckereien und in der Lackindustrie wohl bekannteste Referenz für Farben. Der Pantone Farbfächer sorgt seit über 50 Jahren dafür, dass gedruckte Farben überall auf der Welt gleich aussehen. Lawrence Herbert entwickelte 1963 aus 14 Grundtönen insgesamt 500 Varianten. Diese ließ er als Muster mitsamt einer codierten Mixtur drucken, so dass jede einzelne exakt reproduzierbar ist.

Wer heiratet, sieht nicht überall rot

In China symbolisieren rot und schwarz Freude und Lebensglück. Es sind die bevorzugten Farben für Hochzeitskarten. Ganz anders in den USA und Europa: hier kommt bei der Heirat traditionell weiß zum Einsatz. In vielen asiatischen Ländern ist weiß hingegen die Trauerfarbe und tritt im Zusammenhang mit Hochzeiten traditionell nicht in Erscheinung. In Indien würden Menschen gar befürchten, dass ungebrochenes Weiß zu diesem Anlass vorzeitige Witwenschaft und Unglück nach sich zieht. In Englisch, Italienisch, Französisch und Deutsch sagt man, jemand sei „grün“ vor Neid. Kein schönes Gefühl. Eine ausschließlich positive Bedeutung hatte diese Farbe im mittleren Osten und in allen muslimischen Ländern. Hier ist grün heilig. Für Hindus wiederum ist orange (Safran) die heilige Farbe, Holländer drücken damit die Verehrung für ihr Königshaus aus und im Gegensatz zu beidem wird sie in den Vereinigten Staaten mit „billig“ in Verbindung gebracht. Ein oranges Logo ginge offenkundig in jedem dieser Länder mit einer völlig anderen Assoziation einher. Zu dem traditionellen Beiklang von Farben kommen noch diejenigen Bedeutungsebenen hinzu, die internationales Marketing und Markenkommunikation mit sich brachten. So gilt grün weltweit als die Farbe der Umweltparteien und ihrer politischen Aktivitäten. Coca-Cola ist rot, Puma ebenfalls – beide Marken gehen mit Energie und Dynamik einher. Apple zeigt sich weiß und schwarz: puristisch, raffiniert, perfekt.

Pretty in Pink – Von Fußballtrikots und Barbiepuppen

In vielen Ländern ist es Brauch, mit einer Schleife an der Haustüre die Geburt eines Kindes anzuzeigen. Heute gilt: Eine rosa Schleife für Mädchen, eine blaue für Jungen. In den vergangenen Jahrhunderten und zwar bis in die 1940er Jahre, war dies genau umgekehrt. Blau, als die Farbe der Jungfrau Maria, galt als besonders delikat und anmutig. Sie war kleinen Mädchen vorbehalten. Rosa hingegen war, zumindest im westlichen Kulturkreis, die Farbe für kleine Jungen. Im Rokoko galt Rosa eine Zeit lang sogar als der letzte Schrei der Männermode. Ein ebenfalls sehr männlicher Farbgebrauch: Die ersten Trikots des 1897 gegründeten Fußballclubs Juventus Turin waren Rosa. Wie sehr sich das Farbempfinden seither geändert hat, lässt sich an den schmähenden Zeitungstiteln ablesen, als der Verein mit seinen Auswärtstrikots für die Saison 2015 daran erinnerte. Heute gilt, gewissermaßen als naturgegeben, dass alles, was Pink ist, kleine Mädchen in Ekstase versetzt. Ob die Markteinführung der Barbie 1959 und der seither konsequente Markenauftritt in typischem Pink dafür mitursächlich war oder das Phänomen lediglich geschickt für sich genutzt hat? Sicher ist: Barbie mit ihren pinken Accessoires ist das weltberühmte Modell für sämtliche rosa Feen und Prinzessinnen. Dass die Farbe Pink Herzen buchstäblich höher schlagen lässt, ziehen medizinische Forschungen in Zweifel. Sie attestieren ihr vielmehr eine entspannende Wirkung. Dies machten sich einige Haftanstalten zunutze. Bei Insassen von entsprechend gestrichenen Zellen konnte langfristig ein beruhigender Einfluss auf Ärger, Wut und feindseliges Verhalten beobachtet werden.